Ighitt, Wertearbeit.

Warum sie ein Imageproblem hat und trotzdem die Basis guter Kommunikation ist.

Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Allein das Wort „Wertearbeit“ löst leichten Ausschlag aus.

Zu weich.
Zu viel Flipchart.
Zu viele Post-its.
Zu viel „Wir fühlen da mal rein“.

Ganz ehrlich? Dieses Unbehagen ist berechtigt.

Ich habe das selbst erlebt, in Unternehmen, in Workshops, in Projekten. Wertearbeit hat ein echtes Imageproblem. Sie ist nicht unnötig. Sondern oft unfassbar schlecht gemacht.

Und das ist ein Unterschied.

Warum sich viele mit Wertearbeit (zu Recht) schwertun

Wenn ich mit Unternehmer:innen oder Führungsteams spreche, höre ich immer wieder ähnliche Erfahrungen:

1. Werte klingen austauschbar.
Innovativ. Ehrlich. Nachhaltig. Wertschätzend.
Klingt gut. Passt immer. Sagt wenig.

2. Sie bleiben abstrakt.
Es gibt keine Übersetzung in konkrete Entscheidungen, Führung oder Kommunikation. Die Begriffe schweben im Raum aber greifen im Alltag nicht.

3. Sie sind folgenlos.
Sie stehen auf der Website. Im Recruiting-PDF. Vielleicht an der Wand im Konferenzraum.
Und verschwinden dann im Tagesgeschäft.

4. Sie kommen von außen.
Agentur rein. Buzzwords rein. Klarheit raus.
Was bleibt, fühlt sich nicht wie das eigene Unternehmen an.

Kein Wunder also, dass viele denken: „Brauchen wir nicht. Wir machen einfach unser Ding.“

Warum Wertearbeit trotzdem fundamental ist

Richtig gemacht ist Wertearbeit keine Wohlfühlübung. Sie ist strategische Grundlagenarbeit.

Denn Werte sind nicht Deko. Sie sind Werkzeuge.

Sie sind:

  • Entscheidungshilfen unter Unsicherheit

  • Leitplanken für Führung, vor allem, wenn es unbequem wird

  • Filter für Menschen, Kund:innen und Projekte

  • Die Basis dafür, dass Kommunikation stimmig wirkt oder beliebig

Wenn Werte klar sind, wird weniger diskutiert – und mehr verstanden.

Was passiert ohne geklärte Werte?

Ohne diese Klärung erlebe ich in Organisationen immer wieder ähnliche Muster:

  • Jede Entscheidung wird neu verhandelt.

  • Führung wirkt inkonsequent.

  • Konflikte eskalieren schneller.

  • Kommunikation fühlt sich austauschbar an.

Und dann wird viel Energie in Symptome gesteckt: neue Prozesse, neue Tools, neue Kampagnen.

Das eigentliche Fundament bleibt ungeklärt.

Der Kern echter Wertearbeit

Die zentrale Frage ist nicht: „Wer wollen wir sein?“

Sondern:

  • Wofür stehen wir – auch wenn es uns etwas kostet?

  • Wo sagen wir bewusst Nein?

  • Was ist bei uns nicht verhandelbar?

Erst wenn diese Fragen ehrlich beantwortet sind, werden Werte konkret. Dann werden sie unbequem und genau dadurch wirksam.

Werte sind nicht dafür da, nett zu klingen. Sie sind dafür da, Orientierung zu geben.

Von „Ighitt“ zu „Aha“

Wenn Werte sauber geklärt sind, passiert etwas Spannendes:

Man muss weniger erklären.
Entscheidungen wirken nachvollziehbar.
Kommunikation bekommt Haltung.
Recruiting wird klarer.
Marken werden unterscheidbarer.

Dann wird aus dem reflexhaften „Ighitt, Wertearbeit“ ein: „Aha. Deshalb entscheiden wir so.“

Und genau da beginnt strategische Kommunikation.

Wenn du das Gefühl hast, dass in deinem Unternehmen vieles diskutiert, aber wenig wirklich geklärt ist, dann liegt es vielleicht nicht an den Menschen. Sondern am fehlenden Fundament.

Wertearbeit ist kein Kuschelthema. Sie ist ein Führungs- und Kommunikationsthema.

Und richtig gemacht ist sie alles, nur nicht weich.

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